KEIN HALTEPUNKT SÜD
Kritische Bürgerbeteiligung an der Diskussion

Die Artikel zum Thema Haltepunkt-Süd füllen einen Ordner. Hier rinige Ausschnitte aus den Berichterstattungen der letzten Zeit in chronologischer Anordnung.

EIN GUTES DRITTEL TEURER | RHEINPFALZ vom 13.09.2014

Bahn erweitert Pläne für S-Bahn halt Süd um Parkplätze, Stützwände, Sichtschutz. Für den geplanten Bahn Haltepunkt erhöhen sich die Kosten stark. Die Entwicklung wird Thema der Stadtratssitzung am kommenden Donnerstag, 17:00 Uhr, sein.

Die Planungskosten von 670.000 € und 1,26 Millionen der erwarteten Baukosten von 3,47 Millionen € hätte die Stadt bei dem Bahnprojekt eigentlich zahlen sollen. Das war der Stand der Vorplanung aus dem Jahr 2013. Jetzt nennt die Bahn in ihrem Entwurf für den Stadtrat allein 1,35 Millionen € an von der Stadt zu tragenden Planungskosten und 5,1 Millionen € an Baukosten, von denen gut 2 Millionen an der Kommune hängen bleiben. Als im August 2012 der Standort des Haltepunkts beschlossen war, hatte es im Stadtrat scharfe Kritik an den Kosten auf damaligem Niveau gegeben.

Ursache für die Erhöhung ist nun laut Bahn eine so genannte Projekterweiterung: 200.000 € für Parkplätze und Stützwände, 170.000 € für zusätzlichen Sichtschutz sowie zusätzliche Umbau-und Kabelarbeiten am nahen Bahnübergang. Rund 500.000 € waren nicht in der Vorplanung berücksichtigt gewesen. Im Stadtrat Thema sein werden auch Ansichten, wie der Bahnhof aussehen könnte. Sie zeigen Aufgänge mit Treppen und Aufzügen von der Hasen- und Hirschstraße sowie verschiedene Varianten mit Matt- und Fensterglass als Sichtschutz. Der Stadtrat soll den Anstieg der Kosten laut Vorlage zur Kenntnis nehmen und ein Planfeststellungsverfahren beschließen. Am Mittwoch, 1. Oktober, 14 bis 19:00 Uhr, ist ein Termin zur Bürgerbeteiligung an den Planungen des S-Bahn-Halts geplant. Es soll im Gebäude des Hauptbahnhofs stattfinden.


SPEYER 21 | RHEINPFALZ vom 27.09.2014

Im Prinzip ja, aber ... die Meinungen zum S-Bahnhalt Süd gehen auch eine Woche nach der Stadtratssitzung mit den schockierenden Zahlen auf den Straßen und an den Stammtischen nach wie vor auseinander.

Anlieger und Gegner befürchten Park-Such-Verkehr, Dreck und Blicke in ihrem Wohn- oder Schlafzimmer. S-Bahn Fans versprechen sich zeitgemäße Mobilität und eine bessere Umwelt. Unbeteiligte Neutrale fragen sich ganz naiv, ob es Sinn macht, wenige Meter hinter dem Hauptbahnhof und kurz vor Römerberg die Bahn schon wieder zu stoppen. Sie komme kaum dazu, Fahrt aufzunehmen. Alle gemeinsam sind jedoch noch immer beeindruckt von der Rechnung, die die deutsche Bahn im Stadtrat vorgelegt hat. Das 5 Millionen € Projekt trifft die Stadt an ihrer empfindlichsten Stelle - dem ohnehin leeren Geldbeutel. Die Bahn muss nachbessern, lautet die Forderung. Böse Ahnungen bündeln sich in dem Namen, den das Projekt inzwischen bei den Bürgern hat: Speyer 21. Irgendwann, so die Befürchtung, sitzt Heiner Geißler in Speyer in einem großen Saal an einem großen runden Schlichtertisch.


BEDINGT ABFAHRBEREIT | RHEINPFALZ vom 30.09.2014

Von Ablehnung bis zur Bereitschaft, noch mehr Geld auszugeben reichen die Positionen bei den Parteien beim Rat. Der geplante S-Bahn-Haltepunkt ist umstritten. Auch unter Bürger gibt es konträre Meinungen. Morgen wollen Stadt und Deutsche Bahn bei der Bürgerbeteiligung im Gebäude des Hauptbahnhofs informieren. Ein Überblick.

Der Sachverhalt: Am 23. August 2012 hat sich der Stadtrat mehrheitlich für den es S-Bahn-Haltepnkt Süd im Oberkämmerer ausgesprochen. Es sei eine Investitionen in Zukunft, Umwelt und Gesundheit, sagten die Befürworter. Zehn Jahre hatte es bis dahin seit dem Grundsatzbeschluss gedauert. Der stamme aus dem Jahr 2002. Mit der Stadtratssitzung am 18. September dieses Jahres ist die Debatte allerdings noch einmal neu losgegangen. Die Deutsche Bahn hat sie mit ihren Entwurfsplanungen und vor allem mit den dazu vorgelegten Zahlen kräftig befeuert.

Die Kosten: die Gesamtkosten des Projekts haben sich innerhalb eines Jahres von 3,740 Millionen € um 1,6 Millionen € auf 5,1 Millionen € erhöht in Klammern 47 %. Der Anteil der Stadt beträgt nun 2,08 Millionen €. Allein die Planungskosten haben sich von 670.000 € sogar um mehr als 100 % auf jetzt 1,35 Millionen € erhöht. Der Rat reagierte schockiert. Alle Fraktionen fordern eine Überarbeitung der Kosten. Ziel: Kosten drastisch senken.

Die Reaktionen: Im Prinzip sprechen sich alle Fraktionen im Rat weiter für den Ausbau der S-Bahn aus. Doch angesichts der aktuellen vorgelegten Zahlen sind die Reaktionen heftig. Die SPD stellt die Planungskompetenz der Bahn infrage. Die CDU hat den Verdacht, es seien überhöhte Kostensätze geltend gemacht worden. Axel Wilke: Das ist nicht hinnehmbar. Für die Grünen sind die steigenden Kosten mehr als ärgerlich so Fraktionssprecherin Irmgard Münch-Weinmann: Wir erwarten eine Kosteneinsparung. Die Verdoppelung der Planungskosten ist aus Sicht der Linken nicht zu rechtfertigen. Die Speyerer Wählergruppe hat sich 2012 enthalten und sieht sich durch die aktuelle Kostenentwicklung in ihrer Ablehnung des Haltepunkts nur bestätigt. Nicht erschrocken über die Kostenexplosion zeigt sich nur die Bürgergemeinschaft Speyer: Wir würden für diese wichtigste Investitionen nach Rettungswache und Feuerwache, die auch wirtschaftlich ist und Speyer auf Jahrzehnte nutzen wird, auch noch mehr Geld ausgeben, wenn es nötig wäre, sagte ihr Sprecher Klaus Ableiter. Wie jeder S-Bahnhalt werde dieser zusätzlich jedes Jahr Zehntausende Autofahrten durch freiwilligen Umstieg ersetzen.

Die Forderungen: als wichtigste Ansatzpunkte für eine Kostenminimierung haben die Parteien den geplanten Aufzug und den Sichtschutz aus Milchglas ausgemacht. Stattdessen wird eine Rampe vorgeschlagen. Stefanie Seiler SPD wies darauf hin, dass die Aufzüge öfter nicht funktionieren. Die Linke sehe aber lieber den Haltepunkt in der Alten Schwegenheimer Straße mit ebenen Zugängen zum Bahnsteig. Weg mit dem Sichtschutz, er begünstige Kriminalität, so Wolfgang Förster. Die Grünen fordern eine ausreichende Anzahl überdachter Fahrradstellplätze, Erhalt der Bäume und grüne Gestaltung rund um den Haltepunkt – bei der nächsten Präsentation der Bahn lesbare Informationen (Das war eine Zumutung!). Die SPD-Fraktion forderte eine regelmäßige Kostenkontrolle, um weitere Kostensteigerungen zu vermeiden. Die Bahn gehe von einer Steigerung von 2 % aus, erinnerte Seiler. Eine lückenlose Offenlegung der Kostenkalkulation der Bahn und deren Überprüfung durch unabhängige Experten, verlangte Axel Wilke, CDU. Die Stadt solle ihren Planungskosten Beitrag leisten und auch nur in der Höhe, die berechtigt ist. Die Speyerer Wählergruppe hegt Zweifel am vorhergesagten Bedarf von 800 Fahrgästen täglich. Eine qualifizierte Fahrgastbefragung fehle, sagt der Hannah Tochtermann-Bischof. Der geplante Halt liege zu nahe am Hauptbahnhof, mit ihm erhöhen sich die Schließzeiten der Schranke am Bahnübergang Schützenstraße von bisher drei auf 4 Stunden täglich. Außerdem fehle eine Kalkulation der Wartung-und Betriebskosten für die Aufzüge. Das zu erwartende Park-Problem im Kämmerer sei komplett ungelöst.


S-BAHN-HALTEPUNKT SÜD: PRO UND CONTRA | Rheinpfalz vom 02.10.2014

Pläne gestern bei Informationsveranstaltung in der Bahnhofshalle vorgestellt – Bürger fürchten Parkplatzmangel und Lärmbelästigung:
Pro und contra wechselten gestern ab bei der Präsentation des Bauvorhabens S-Bahn Haltepunkt Süd in der Bahnhofshalle. Schon vor der Eröffnung der Ausstellung studierten zahlreiche Besucher Schautafeln und Pläne, kam es zu regen Diskussionen, wurden die Vertreter von Stadt und Bahn mit Fragen überhäuft.

Er finde die gemeinsame Aktion der Stadtverwaltung und der Deutschen Bahn gut und freue sich über die große Resonanz, sagte Oberbürgermeister Hansjörg Eger im Gespräch mit der Rheinpfalz. Die Stadt löste damit ihr Versprechen ein, nach der Behandlung des komplexen Themas in den Fachgremien die Aussprache mit den Bürgern zu suchen und sich Ideen für weitere Bearbeitung der Planung zu holen.

Eger: Wir haben auf Wunsch der Bürger schon bisher einiges geändert. Dies gelte beispielsweise für den Sicht- und Lärmschutz am vorgesehenen Haltepunkt, ebenso für das Stellplatz-Konzept zum Ausgleich für wegfallende Parkplätze. Allein die Schaffung zusätzlicher Stellplätze kostet 250.000 € mehr als geplant. Auch auf Gestaltungsmöglichkeiten und auf die Baumpflanzungen können die Bürger Einfluss ausüben. Wir haben viele Varianten geprüft, so der Oberbürgermeister gegenüber unserer Zeitung, eine ideale Lösung gibt es nicht. Bei der jetzt du besprechenden Planung handelt es sich um einen wohl abgewogenen Kompromiss für den er Ablehnung wie Zustimmung erfahren habe. Er sei aber auf neue Vorschläge der Ausstellungsbesucher gespannt. Deren Meinung zu Speyers aktuellem heißen Eisen ist offenbar vielschichtig und reicht von einer glatten Absage - brauchen wir nicht - bis zur Vorfreude eines älteren Anlegers darauf, eines Tages kein Auto mehr zu benötigen, sondern fast vor der Haustür in einen Zug einsteigen zu dürfen. Skepsis der Bürger gegenüber dem Vorhaben gründet sich, wie vielen Gesprächen gestern zu entnehmen war, weniger auf der jetzt bekannt gewordenen massiven Kostensteigerung als mehr auf der Furcht vor zusätzlicher Lärmbelastung und vor wachsendem Parkplatz-Suchverkehr. So bemühten sich die Ansprechpartner von Bahn und Stadt, besorgten Fragestellern immer wieder deutlich zu machen, dass der Haltepunkt Süd in erster Linie Fuß für Fußgänger, Radfahrer und Busfahrer, vor allem aber für rund 4000 Schüler gedacht ist, die mit der Bahn fahren wollten. Für Autopendler dagegen sei der Hauptbahnhof viel vorteilhafter. Unter anderem, weil es dort ein Parkhaus gibt. Das könnte dann endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.


BÜRGER WILL BAHNHALTEPUNKT BLOCKIEREN | Rheinpfalz vom 21.10.2014

Für den zwischen Hirsch- und Hasenstraße geplanten Bahnhaltepunkt Süd hat der Stadtrat im September eine Kostensteigerung und in der Folge auch kritische Stimmen hinnehmen müssen: Das Projekt sei überflüssig. Ein weiteres Problem: In der Hirschstraße werden noch Privatgrundstücke benötigt. Ein Besitzer will nicht verkaufen.

Jürgen Lause wird wohl einen neuen Ausblick aus seinem Wohnzimmer bekommen: Anstelle des Grünstreifens zwischen Bahnlinie und Hirschstraße im Kämmerergebiet soll der südliche Bahnsteig des neuen Haltepunkts Speyer-Süd entstehen. „Gegen den Bahnhaltepunkt an sich habe ich nichts, auch wenn ich glaube, dass er unnötig ist“, sagt Lause. Ihn ärgert, dass ausgerechnet auf Höhe seines Hauses Hirschstraße 21 der Zugang mit Aufzug und Fahrradabstellplätzen entstehen soll. Der Speyerer hat dies den Plänen entnommen, die am 1. Oktober im Hauptbahnhof vorgestellt wurden (wir berichteten), und wundert sich, dass er und seine Frau dazu noch nicht befragt worden seien: Schließlich gehöre ihnen ein Geländestreifen, der für das Bauprojekt benötigt werde.

Es ist ein unspektakuläres Stück Speyer, mit Pflanzsteinen am Rand der wenig befahrenen Hirschstraße zum Bahndamm hin, eine im Herbst laubbedeckte Möglichkeit zum Auto- und Mülltonnen-Parken. Auf gut 20 Quadratmeter schätzt der Unternehmer die Fläche; auch seine Nachbarn, die in den vier gepflegten Posthäusern aus den 1930er Jahren lebten, seien betroffen. Die Stadtverwaltung bestätigt auf Anfrage: „Es gibt dort noch mehrere Randstreifen jenseits der Straße, die sich in Privatbesitz befinden.“ Konkret für den Haltepunkt benötigt würden jedoch nur zwei davon, die mit 60 und 80 Zentimeter Tiefe relativ klein seien. Er wolle sein Grundstück trotzdem nicht hergeben, kündigt Lause an. Bahn und Stadt müssten zumindest umplanen: Er schlägt den Aufgang 30 Meter weiter in Richtung Einmündung Bismarckstraße vor.

Was den Hausbesitzer ärgert, ist, dass die Verwaltung ihn als Bürger „nicht für voll nehme“. Vor mehreren Jahren habe er schon ein Kaufangebot für die Fläche über 3800 Euro erhalten. Die Stadt habe ihm lediglich mitgeteilt, diese werde für den Straßenbau benötigt, was er bis heute nicht glaube. Als er sich zuletzt selbst erkundigt habe, seien ihm für das rund acht Meter lange Stück nur noch 2000 Euro angeboten worden. Es sei ihm mit Enteignung im öffentlichen Interesse gedroht worden.

„Die Stadtverwaltung hat ein Interesse daran, diese Streifen zu erwerben und wird daher Gespräche mit den Eigentümern führen“, so deren Pressesprecher Matthias Nowack. Er ist aber auch zuversichtlich, dass es im Fall eines Scheiterns der Gespräche eine Anpassung der Planung geben könnte. Die benötigten Grundstücke seien ja sehr schmal. Dass die schmalen Streifen ausreichen sollen, wundert wiederum Lause. Er habe in den von der Bahn veröffentlichten Plänen gesehen, dass von 22,50 Meter Abstand von seiner Hauswand bis zur Mitte des ersten Gleises ausgegangen werde. Er habe nachgemessen und komme auf einen deutlich geringeren Wert, sagt er.

Er behalte sich rechtliche Schritte vor, sagt der Speyerer, der das Haus in den 1980er Jahren gekauft hat, als vom Haltepunkt politisch noch keine Rede war. Lause kann die Nutzerprognosen (siehe „Zur Sache“) bislang nicht nachvollziehen: „Welche Schüler sollen hier aussteigen“, fragt er. Die meisten Kinder, die die nahen Schulen besuchten, kämen per Fahrrad oder Bus. „Das wird die zweite Bauruine nach dem Parkhaus am Hauptbahnhof“, meint der Mann aus dem Mittelkämmerer. (pse)


BÜRGER UND SWG MACHEN GEGEN HALTEPUNKT MOBIL | Rheinpfalz vom 5. November 2014

Der Gegenwind für das Projekt Bahn Haltepunkt Süd wird stärker. Der Stadtrat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 13. November, 17:00 Uhr, mit einem Antrag der Speyerer Wählergruppe auseinandersetzen, die bisherigen Beschlüsse für den Bau des Haltepunkts aufzuheben.

Außerdem fordern Anwohner des Gebietes Hasen-/Hirschstraße mit einer Unterschriftenaktion, das Projekt abermals auf den Prüfstand zu stellen. Die SWG bringt fünf Punkte vor, die bei drei Beschlüssen nicht ausreichend berücksichtigt worden sein: die verlängerten Schließzeiten des Bahnübergangs Schützenstraße, die Weigerung von Privatleuten, benötigte Grundstücke zu verkaufen, unbekannte Betriebskosten für die Aufzüge, fehlenden Parkraum und die Explosion der Gesamtkosten von 3,5 auf 5,1 Millionen €. Die SWG, die auch schon bisher gegen das Projekt gestimmt hatte, vermisst ein sinnvolles Kosten-Nutzen-Verhältnis. Der Haltepunkt sei unter diesen Umständen nicht vertretbar. Eine Gruppe von Bürgern führt ähnliche Punkte an und hat dafür nach Auskunft eines beteiligten innerhalb weniger Tage mehr als 100 Unterschriften gesammelt. Sie hält negative Folgen für den Sternteil für denkbar. Der Haltepunkt Süd bringt bei minimaler Verbesserung der Infrastruktur mehr Probleme als das er verkehrstechnischen löst, heißt es in dem Brief, der in den kommenden Tagen den Vorsitzenden der Stadtratsfraktion zu gehen soll. Von einer Kontaktaufnahme der Stadtverwaltung berichtet Jürgen Lause, ein Anwohner, der gegenüber der Rheinpfalz angekündigt hat, einen für die Bahnplanung benötigten Geländestreifen nicht zu verkaufen. Er werde jetzt im Dezember mit der Stadt sprechen.


NOCH LANGE KEINE ENDSTATION | Rheinpfalz vom 7. November 2014

Warum die Debatte um den Haltepunkt Süd die große Koalition belasten könnte und nicht durchweg intelligent geführt ist

Immer mehr Anwohner wenden sich gegen den geplanten Bahnen Haltepunkt sieht, und jetzt beantragt die Wählergruppe im Stadtrat noch die Rücknahme aller Beschlüsse – ist das Projekt am kippen? Eigentlich ist es gleich mehrfach beschlossen: die Wählergruppe führt in ihrem Antrag für die Sitzung am Donnerstag Voten von 2002, 2012 sowie 2014 auf. Weil diese aber nicht in ihrem Sinne ausgefallen sind- und inzwischen neue Nachteile bekannt geworden seien, will sie sie jetzt jedoch kippen. Und so dürften nächste Woche im Rat nach nur acht Wochen - damals wurde die Einlage eines Planfeststellungsverfahren beschlossen - erneut über den zwischen Hirsch- und Hasenstraße geplanten S-Bahnhalt abgestimmt werden. Von CDU-Seite und Grünen sind zwar Zweifel zu hören, ob das überhaupt zulässig sei, weil eine Frist von sechs Monaten vorgeschrieben sei, um ein Thema erneut auf den Prüfstand zu stellen. Die Stadt meint jedoch, dass es nicht um genau dasselbe gehe, sondern die beantragte Aufhebung aller Beschlüsse etwas anderes sei als das Planfeststellungsverfahren.

Sei's drum. Eine Mehrheit für den SWG-Antrag ist unwahrscheinlich. Grummeln über das Projekt gibt es in allen Fraktionen, seit zuletzt eine starke Kostenerhöhung in Aussicht gestellt worden ist. Dennoch stehen die CDU und die Grünen fest zu der Zukunftsinvestition. Auch die Bürgergemeinschaft findet sie gut, FDP und SPD haben sich zuletzt enthalten. Er wissen noch nicht, wie seine Fraktion am Donnerstag konkret abstimme, sagte nun SPD Fraktionschef Walter Feiniler. Er sei jedoch der Meinung, das Ergebnis des Planfeststellungsverfahrens solle abgewartet werden um dann eine endgültige Entscheidung zu treffen. Womöglich könne sich dieses fünfte Votum - zu erwarten irgendwann 2015, einige Monate nachdem die CDU/SPD Koalition einen SPD-Vertreter ins Beigeordnetenamt gehievt hat, zur ersten Belastungsprobe für Schwarz-Rot erweisen. Auch wenn das Vorhaben nicht im Koalitionsvertrag steht. Sehr kritisch sehe es die SPD, so Feiniler. Bereits 2012 kam von der SPD überwiegend ein Nein. Abwarten, sagt Feiniler, der aber auch mit den sechs SWG-Leuten noch keine Mehrheit hätte. Der Gegenwind ist stärker geworden. Seit den Informationen über die Kostensteigerung schimpfen immer mehr Bürger und Politiker mit. Die Mehrheit, die den Halt gut findet, meldet sich nicht, hält CDU Stadtrat Axel Wilke dagegen. Er will von viel Zuspruch wissen. Die Probleme würden geklärt, der Bahn werde nun auf die Finger geschaut, auch die Grünen treten jetzt mit einer Anfrage zu den Grundstücksverhältnissen als strenger Controller auf ....


PLANUNG GEHT WEITER | Rheinpfalz vom 14. November 2014

Die Vorbereitungen für den geplanten Bau des zunehmend umstrittenen S-Bahn Haltepunkt Süd gehen vorerst weiter. OB Eger und SWG-Sprecherin Hanna Tochtermann-Bischof haben sich in der Sitzung auf einen Kompromiss verständigt. Die SWG hatte die Aufhebung aller bisherigen Beschlüsse des Stadtrates dazu gefordert. Der erste stammt von 2002, der bisher letzte vom September 2014. Begründet hat die SWG ihren Antrag unter anderem mit deutlich längeren Schließzeiten des Bahnübergangs Schützenstraße und der Kostenexplosion allein schon für die Planung. Mit dem Kompromiss wird der Antrag als Stellungnahme im Zuge des Planfeststellungsbeschlusses betrachtet. Abgestimmt werden kann deshalb zusammen mit dem Votum über die Planfeststellung. Uns zwar wichtig, dass der Antrag auf die Tagesordnung kommt, zeigte sich Tochtermann einverstande. Es rege sich immer mehr Unmut dagegen.


DESINFORMATION UND PREISVERFALL | Rheinpfalz vom 27. November 2014

Neue Initiative "Kein Haltepunkt Süd" geht mit Stadt und Band scharf ins Gericht-Ziel: mit Aufklärungsarbeit Bauprojekt stoppen. Mit intensiver Öffentlichkeitsarbeit will die Initiative den zwischen Hirsch- und Hasenstraße geplanten Bahnhalt noch stoppen. Sie will informieren und überzeugen, damit es bei der in rund einem Jahr zu erwarteten Abstimmung über das Planfeststellungsverfahren keine Mehrheit mehr im Stadtrat gibt.

Die Gruppe, die bereits Unterschriften von 320 Gegnern des Projekts an die Stadtratsfraktionen gesandt hat, stellte sich am Dienstagabend vor. Der harte Kern umfasse acht Aktive. Die an den Unterschriften abzulesende Anzahl der Unterstützer aus dem ganzen Stadtgebiet sei mittlerweile auf fast 350 angewachsen. Zwei Fraktionen - SWG und SPD - hätten die Briefe der Gruppe bereits beantwortet und sich in ihrem Sinne geäußert, so die Sprecher Michael Lauter und Ullricke Starkloff. Gottfried Jung, Vorsitzenderder der zuerst angeschrieben und CDU Fraktion, habe sich noch nicht gemeldet. "Es geht nicht um unsere persönlichen Befindlichkeiten. Wir stellen das Projekt generell infrage," betonte Starkloff. Seit sich die Gruppe infolge der Vorstellung der Pläne von Deutscher Bahn und Stadt am 1. Oktober im Bahnhof zusammengefunden habe, seien neue Nachteile des Projekts offenbar geworden. Frappierend der Kostenanstieg von zunächst 3,4 auf 5,6 Millionen in Zeiten leerer Kassen und der Umgang mit den Bürgern. Echte Beteiligung sei nicht gewünscht, schlossen die Mitglieder der Initiativgruppe. Bernhard Hüsch, einer von offenbar vier Anwohnern die eigenen Grund und Boden für das Bahnprojekt abtreten müssten, sieht sich verarscht: die Stadt habe ihn um das Gelände ohne Bezahlung gebeten, weil es für die Straßensicherung benötigt werde. Obwohl der Haltepunkt seit 1997 geplant werde, habe ihm noch kein Stadtvertreter mitgeteilt, dass es für den Bahnhof erforderlich sei. Er sei jetzt am 4. Dezember im Rathaus.

Die Nachteile für das bislang ruhigen Wohngebiet, wenn künftig im Viertelstundentakt Züge hielten, sind die Bürger als immens an. Ausgerechnet an der engsten Stelle zwischen zwei Häuserreihen seien die Bahnsteige vorgesehen, Wohnwerte würden zerstört. Die über Häuserniveau geplanten Bahnsteige wären nachts beleuchtet. Einen Preisverfall auf "Dorfniveau" prognostizierte Michael Ratzlaff. Stadt- und CDU-Vertretern gingen mit den Skeptikern arrogant, wenn sie Wertsteigerungen in Aussicht stellten und von nur mit dem Rad oder zu Fuß anreisenden S-Bahn Kunden sprächen, so Lauter. Die prognostizierten Nutzerzahlen seien zu hoch, das ganze Projekt nicht rentabel. Von öffentlicher Stelle werden desinformiert.

"Wir müssen unseren Protest bis Ende 2015 am köcheln halten," sagte Starkloff. Dann stünden die Karten bei einer neuen politischen Abstimmung besser als in der Vergangenheit. Neben vielen Bürgern seien auch Ratsmitglieder aller Parteien sehr skeptisch geworden.


WIE EINE DICKE FETTE KATZE DURCHBLICK vom 28.November 2014

Zunehmende Skepsis über Sinnhaftigkeit des S-Bahn Haltepunkts Süd

Ich gestehe es ein, ich bin ein S-Bahn-Fan, fahre viel Rad und war in der Vergangenheit durchaus angetan von einem weiteren Haltepunkt des erfolgreichen Verkehrsmittels in Speyer. Meine Skepsis über den Sinn des Millionenprojekts stieg mit der Konkretisierung durch Stadt und Bahn, sowie den konkreten Informationen, die ich mir beschaffte. Tatsächlich blieben die genauen Pläne, was zwischen Hasen- und Hirschstraße geschehen soll, lange nebulös. Es bleibt der starke Verdacht, dass mit geschönten Zahlen ein Prestigeprojekt von CDU und Grünenmit mit Gewalt realisiert werden soll, koste es was es wolle. Der Vergleich eines der Bürger beim Pressegespräch der Initiativgruppe "Kein Haltepunkt Süd" mit einer dicken, fetten Katze, die sich gewaltsam in einem engen Wohngebiet breit macht, beschreibt die Situation vor Ort anschaulich. Das gibt's ja nicht ein bisschen Bahnsteig, sondern eine mehrere 1000 m² große Anlage, hineingequetscht zwischen zwei kleine Straßen. Anstelle des jetzigen Grüngürtels werden mehrere meterhohe Betonwände beziehungsweise transparente Schutzwände das Wohngebiet prägen. Die geschönten Planansichten der Bahn täuschen über die wahren Verhältnisse vor Ort.Auch das Argument, es seien bereits 1,35 Millionen € Planungskosten verballert worden, da könne man gar nicht mehr raus aus der Nummer, ist nicht stichhaltig. Weitermachen bedeutet nach meiner Auffassung dem schlechten Planungsgeld weiteres - eigentlich nicht vorhandenes - gutes Geld in Millionenhöhe hinterher zu werfen.

Klaus Stein